Leitfaden „Teilleistungsstörung“

Hat mein Kind eventuell eine Teilleistungsstörung*?

Sie haben Sorge, weil Ihr Kind im Lesen, Schreiben oder Rechnen

  • seit einiger Zeit größere Schwierigkeiten hat,
  • sich in dem jeweiligen Bereich nicht weiterentwickelt,
  • trotz intensiven „Übens“ Probleme hat und sich keine Verbesserung der Lese-, Schreib- oder Rechenfertigkeiten zeigt,
  • häufig an den gleichen Stellen scheitert oder
  • zunehmend frustriert ist, weil es den Unterrichtstoff einfach nicht versteht?

Sollten zu diesen Problemen bisher noch keine Gespräche zwischen Schule und Ihnen stattgefunden haben, sollten Sie unbedingt Kontakt zu der entsprechenden Lehrkraft aufnehmen. Zusammen sollte dann versucht werden mögliche Ursachen zu erkennen und entsprechende Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen zu besprechen. Hier geht es um fachliche und/ oder methodische Herangehensweisen: Welcher Inhalt wurde nicht ausreichend durchdrungen und mit welchen Hilfsmitteln oder durch welche Veranschaulichung könnte das Kind in der Schule und zu Hause den Inhalt besser verstehen? Dabei können Lehrkräfte jedoch keine umfassende Diagnostik erstellen, da dieses in den Bereich von ausgebildeten Experten (z. B. Ärzten, Psychologen, Lerntherapeuten) fällt.

Die Lehrkraft kann zusätzlich für eine genauere Einschätzung und eine Erstdiagnostik Kontakt mit der Förderschullehrkraft aufnehmen und Unterstützungen bzw. Fördermaßnahmen optimieren. Natürlich können auch Eltern jederzeit in Kontakt mit der Förderschullehrkraft treten und sich gezielt beraten lassen. Der Kontakt kann über das Sekretariat der Schule hergestellt werden, wo Sie auch den Namen der zuständigen Förderschullehrkraft erfragen können.

Sollten die schulinternen Diagnosemöglichkeiten nicht ausreichen und sich trotz einer gezielten Förderung keine Verbesserungen einstellen, sollte durch die Eltern Kontakt zu einem externen Diagnosezentrum** aufgenommen werden, um der Ursache auf den Grund zu gehen und damit die schulische oder auch außerschulische Unterstützung (z. B. Lerntherapie) für Ihr Kind zu optimieren.

Dabei muss abgewogen werden: Auf der einen Seite ist nicht jede Schwierigkeit Ihres Kindes eine Störung und manchmal erzielen auch kleine, einfache Veränderungen und Unterstützungen eine große Wirkung. Da die umfassende Diagnostik in den entsprechenden Zentren mit viel Zeit und Kraft verbunden ist, sollten Sie diesen Weg erst einschlagen, wenn die anderen Maßnahmen nicht die gewünschten Erfolge aufweisen. Auf der anderen Seite können länger anhaltende Schwierigkeiten und die fehlende Aussicht auf Verbesserung beim Kind Selbstzweifel und ein sinkendes Selbstwertgefühl entstehen lassen.

In jedem Fall treffen natürlich Sie als Eltern die Entscheidung, wann und welche Praxen oder Zentren Sie für eine Diagnostik oder eine (Lern-) Therapie aufsuchen möchten.

 

 

* nach ICD-10: F81 Umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (Die ICD ist die internationale Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellt wurde.)

** Sozialpädiatrische Zentren (z. B. in Rotenburg, Bremen oder Hamburg) oder Sozialpsychiatrische Praxen (Überweisung vom Kinderarzt erforderlich)

 

Informationen zur Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenstörung unter: http://www.bvl-legasthenie.de/

Mögliches Störungsbild LRS unter: http://sprachheilwiki.dgs-ev.de/wiki/doku.php?id=stoerungsbilder:legasthenie_lese-rechtschreibschwaeche